Lahme Schwingen 21.04.2013

Am 15.04 sind wir von Pame Camping (Pokhara) abgefahren. Wir machen uns auf den Weg nach Kathmandu, um das Bangladesh-Visa zu beantragen. 200 km durch Serpentinfelsen einem Flusslauf entlang, schlängelt sich der Weg. Wie an vielen Orten, wird hier Riverrafting angeboten. Nach einem steilen Anstieg erblicken wir in der Talsenke Kathmandu, eine schmutzige Hauptstadt, die einem nicht gerade einlädt, lange zu verweilen. Erst im Dunkeln finden wir den Schlafplatz, wo man sich mit dem Bus hinstellen kann. Zum Glück befinden sich auch zwei Restaurants auf dem Gelände, Nach Chicken-Momos (eine nepalesische Spezialität) und einem Bier fallen wir todmüde in die Federn. Nachts ist es nicht mehr so warm, wir sind wieder froh um unser Duvet, das wir von zuhause mitgenommen haben.
Am nächsten Morgen fahren wir früh zum Bangladesh Konsulat. Wir füllen die Visaformulare aus, man erklärt uns, dass wir die Visas sofort erhalten. Ich bespreche mit dem Konsular die Formalitäten, betreffend dem Carnet de Passage (Zollpapier für das Auto). Leider befindet sich die General-Konsulin nicht im Hause, nach einem Telefonat wird mir erklärt, dass wir keine Einreisegarantie bekommen. Bangladesh akzeptiert seit letztem August das Carnet nicht mehr. Man muss an der Grenze ein Depot hinterlegen, verlorenes Geld, wir haben von Beträgen von bis zu 20’00 US$ gehört. Plötzlich sind unsere Papiere wieder am Empfangsschalter. Nach 3 Stunden hat sich das „Bangladesch-Tor“ definitiv geschlossen. Rund 500 km fehlten noch, um mein Patenkind in Bangladesch zu besuchen. Eigentlich sind wir ja mit diesem Ziel vor Augen aufgebrochen, traurig müssen wir nun dieses begraben! Wir fühlen uns schlecht, unsere Schwingen sind lahm, das Freisein wie ein Vogel stimmt für uns nicht mehr!

Wir besuchen noch eines der 4 UNESCO-Welterben ( Swayambhunath) , die sich in Kathmandu befinden, müde und traurig fahren wir zum Schlafplatz zurück. Wir beschliessen Kathmandu zu verlassen und besuchen das nahgelegene Bhaktapur. Eine wunderschöne Tempelanlage, inmitten einer restaurierten Altstadt. Bhaktapur zählt ebenso zu den UNESCO World Heritage sites. Wir schlendern durch die Gassen, verfolgt von Musik von verschiedenen tanzenden Gruppen. Am Abend fahren wir nach Nagarkot, einem Aussichtspunkt auf 2200m, wo man einen Rundblick auf die 8000er geniessen kann. Wir können unseren Bus direkt unterhalb des Aussichtsturms parkieren. Wir verbringen eine herrlich, ruhige Nacht, inmitten eines Waldes mit Nadelbäumen. Und wirklich mit dem Sonnenaufgang erblicken wir die imposanten Bergketten mit Annapurna, Fishtail, Lotse und Mt. Everest (8 Achttausender befinden sich in Nepal).
Nach dem Frühstück fahren wir dann Richtung China – Border in Richtung Tibet nach Tatopani. Die Strasse schlängelt sich den Flussläufen entlang durch die steilen Bergketten, überall erblickt man terrassierte Felder und einfache Stein- Lehm- Blech- und Strohhütten. Die Menschen hier sind sehr arm, die meisten Arbeiten werden von Hand verrichtet. Vor Tatopani wird die Strasse immer schlechter, Offroad Pisten mit Steinblöcken auf der Strasse, die Estafette schnaubt sich den Berg hoch. Kurz vor Tatopani beginnt es zu regnen, hier in Nepal beginnt nun die Monsunzeit, praktisch jeden Nachmittag gibt es Gewitter. Die Strasse verwandelt sich in eine Schlammpiste , wir beschliessen umzukehren um uns einen Schlafplatz zu suchen. Kurz nach der Wende schlägt ein Steinblock an die Vorderachse, die Estafette wird schwer lenkbar, ich kann gerade noch eine Ausweichstelle erreichen. Es prasselt in Strömen, die Vorderachse ist gebrochen, unsere Estafette hat eine lahme Schwinge. Die Aufhängung des unteren Quer- Lenkers ist gebrochen. Nach dem Gewitter schraube ich den Querlenker ab. Ein junger Nepalesi fährt mich in halsbrecherischer Fahrt mit seinem Motorrad ins 17 km entfernte Barhabise zurück. Zum ersten Mal auf unserer Reise, bangte ich um mein Leben.
In einer Motorradwerkstatt übergab ich mein gebrochenes Teil und man versprach mir, am nächsten Nachmittag eine neu gedrehte Aufhängungswelle zu bringen! Wow – normalerweise geht hier alles nicht so rasant.
Zurück beim Bus bin ich froh, dass Silvana für mich noch einen warmen Teller Reis mit Ei bereithält, müde fallen wir in den Schlaf – wie wird unsere Reise weitergehen?? Unser Schlafplatz ist speziell, die Lastwagen kreuzen sich hier, manchmal herrscht das wahre Chaos vor unserer Haustüre, die Trucks fahren teilweise hautnah an unserem „Dreibein“ vorbei. Ein junger Hund und Kinder leisten Michael Gesellschaft, er geniesst es auch wieder mal stundenlang Lego zu spielen. Silvana unternimmt mit dem Local-Bus einen Ausflug zu nahgelegenen Chinagrenze – will sie nun nach China emigrieren??? Ich habe Zeit die Karten zu studieren, über unsere Weiterreise nachzudenken. Und tatsächlich am späten Nachmittag ist mein Querlenker wieder da, leider stellt sich bald heraus, dass die Welle nicht die richtigen Masse aufweist, die Montageabstände stimmen nicht. Ich erkläre dem Mechaniker die Mängel und dieser verspricht mir morgens um neun wieder zukommen. Wird es wohl klappen? Wir verbringen nochmals eine Nacht an diesem Nadelöhr und wir diskutieren unseren weiteren Reiseweg. Um zehn Uhr kommt das Motorrad mit meiner Welle und tatsächlich, nach einer halben Stunde steht die Kiste wieder auf ihren Füssen. 7000 Nepalrupie, rund 80.- sFr., hat uns die Reparatur gekostet. Wir beschliessen talwärts zu fahren um an einem schönen Platz, den wir bei der Hochfahrt entdeckt haben zu übernachten. Michael und Werni fischen noch im Bergfluss, leider erfolglos, zum Nachtessen gibt es Rindfleisch mit Pommes. Wir sitzen am wärmenden Feuer und beobachten die Sterne und den Mondschein und die leuchtenden Punkt an den Berghängen. Wir haben frischen Wind unter unser Schwingen gekriegt, der Reiseadler ist wieder startklar, unsere nächsten Reisepläne stehen fest.
Bis bald
Werni& Silvana& Michael

 

Ein Gedanke zu „Lahme Schwingen 21.04.2013

  1. Oh hoppela, da isch ja was gange…emotionali Mömänt! Han gad sehr mitgfieberet bim läse vo dem Itrag. Guet hät das klapped mit dem Teili.
    Schad das mit Bangladesh! I weli Richtig gahts dänn jetzt wieter? Weisch han au bald wieder Ferie 3 Wuche, wer weiss 😉

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