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Über Kiyiköy-Karaburun nach Istanbul

Nachdem wir so herzlich in Kyiköy empfangen wurden, und ich eine Nacht von meinem „Stotternden Estafette“ geträumt hatte, verabschiedeten wir uns nach dem Sonnenaufgang von Steffi und Max, die mit ihren Fahrrädern die Schlussetapppe nach Istanbul auf dem Programm hatten, danach erkundeten wir die sehenswerte Sanddüne mit Fluss und unternahmen einen Spaziergang zum Hafen. Sofort warf Michi seine selbstgebastelte Angelrute aus und schwupps hatte er schon den ersten Fisch gefangen (Wow).

Leider war das der einzige Fisch, wir kauften direkt bei den Fischern noch zwei Palamut’s.(ca 30 cm lang, ähnlich wie eine Makarele) Wir schlenderten zurück und ich nahm die Estafette unter die Lupe. Nach dem Überprüfen der Zündung, lief der Motor mehr oder weniger rund (Ein Irrtum, wie sich später heraus stellte). Michi hatte in einer grossen Pfütze ein Menge Frösche entdeckt, die er mit seinem Fischernetz alle einfing.

Zum Znacht gabs den frischen Fisch, gegrillt, ein Bier dazu – ein richtiges Festessen. Den Abend verbrachten wir noch mit Monika und Paul, die am nächsten Tag aufbrachen.

Wir unternahmen wieder einen wunderschönen Spaziergang zum Meer und Hafen, assen in einem Restaurant noch Köfte (Hackplätzchen), dazu eine Art Frühlingsrollen mit Käse darin – und natürlich Pommes für unseren Fischermeister.

Müde legten wir uns ins Bett und beschlossen am nächsten Tag weiterzufahren.

Doch schon bei der Abfahrt merkte ich, dass der Motor keine Kraft hatte, er begann wieder zu rucken und zu stottern.

Wir mussten einen Reparaturstopp einlegen, Vergaser-Zerlegung, Düsen kontrolieren: Nach einer halben Stunde gings weiter, anfangs ein bisschen besser, danach fast noch schlimmer. Vergaser zu putzen ohne Pressluft ist halt schwierig. Wir stotterten nach Saray, wo die Leute uns sofort zu einem Werkstattpark am Ende des Dorfes lotsten. In diesem Werkstattpark waren alle Sparten der Autoreparaturwerkstätten vorhanden. Leider waren die Sprachbarrieren ziemlich gross, da die meisten nur türkisch und wenige Brocken englisch verstanden. Man schickte mich zum nächsten Dorf , wo es an der Hauptstrasse eine kleine Garage gab.

Sofort wurde mir geholfen – Vergaser zerlegt – mit Pressluft alles durchgeblasen – und nach rund einer Stunde konnten wir wieder weiterfahren, nachdem wir noch zusammen Tee getrunken, und mit Händen und Füssen/türkisch uns über Renault’s unterhalten hatten. (in der Garage stand auch noch ein R12)

Wir steuerten Karaburun an, ein Ort  mit einem Hafen und wunderschöner Küstenlandschaft. wir fanden einen schönen Ort ausserhalb, wo wir direkt am Meer an der Steilküste parkten. Nach Baden und Nachtessen mit ein paar aufsässigen Ziegen, fuhren wir nochmals zurück ins Dorf, kauften noch zwei Bier, assen ein Eis, und fuhren zurück an unseren malerischen Standplatz.

Wir bestaunten den Sternenhimmel, der Boden war plötzlich übersät mit ca. 8cm langen Tausendfüssler. Wir killten nach Bier auch noch den seit Dachsen mitgenommenen Vino spumanto – müde legten wir uns aufs Ohr – es war ein langer Tag gewesen.

Mitten in der Nacht begann der Estafette wild zu schaukeln, das Wetter hatte umgeschlagen, ein starker Wind war aufgezogen. Silvana hatte Angst, dass der Bus durch den Wind die Klippe hinunter ans Meer stürzen würde, so parkierten wir im Dunkeln unsere Kiste an einen ruhigeren Ort. Früh morgens begann es stark zu regnen, wir hatten schlecht geschlafen – die Polizei stattete uns auch noch einen Besuch ab.

Wir beschlossen früh abzufahren -Istanbul erwartete uns.!!!

Grenzübergang Bulgarien Türkei

Nach fünfizig ewigen Kilometern durch bulgarische Berg -und Eichenwaldlandschaft über Loch und Stein (Strasse) erreichen wir die Hochsicherheitsgrenze von Malko Tarnovo.

Erste Hürde: Bulgarische „Strassen“-Vignette nachbezahlen, sonst können wir nicht ausreisen. (wofür brauchen sie das Geld, wenn doch kein Teer auf der Strasse liegt?-) Nach Bezahlung von etwa zwanzig Lew öffnet sich die Schranke und wir erreichen die türkische Grenze.

Nachdem der Zöllner freundlich unsere Identitäskarten zurückgewiesen hatte und unsere Pässe sehen wollte, haben wir gedacht das wärs und wir wären jetzt wohl in der Türkei, aber…jetzt ging es richtig los. Wir werden von einigen Beamten aufgefordert ins Zollgebäude zu kommen. Zuerst erhalten wir unser Dreimonatsvisum, dann wird das Auto in Wernis Pass eingetragen und draussen warten zwei freundliche „Bankbeamte“ in Zivil auf  die Inspektion unseres Einsatzfahrzeuges. Nach dem der sehschwache Beamte mit der Flaschenbödenbrillen unsere  Mistel (die wir seit Sozopol über unserem Bett hängen haben, damit sie uns Glück bringt) beschnuppert hat und er unseren Vorratsschrank inspiziert hatte und an andern Türen rüttelte, zückte er den Stempel aus der Westentasche und stempelte und stempelte……

Endlich geschafft!?? Nein, da war noch eine Barriere. In diesem kleinen Kontrollhaus wurden die Pässe nochmals kontrolliert und die letzte Schranke öffnete sich.

Die Strasse verwandelte sich in eine vierspurige Strasse (like Autobahn) ohne Verkehr, wir fuhren bis nach Babeski und bestaunten die erste Moschee (eine sehr Alte, Sehenswerte). Auch gabs schon den ersten Dürüm ( mhh dürüm dürüm).

Obwohl wir eigentlich nicht sehr weit gefahren waren, erreichten wir erst nach Sonnenuntergang die schöne Hafenstadt Kiyiköry. Mit etwas Mühe fanden wir den kleinen Zeltplatz ein bisschen ausserhalb, wo wir liebevoll von Paul und Monika ( zwei Fluchtthurgauer, seit rund sieben  Jahren mehrheitlich unterwegs) und Steffi und Max, die mit dem Fahrrad von Hannover, der Donau entlang über Rumänien, Bulgarien bis nach Istanbul unterwegs waren  und sich hier für die Schlussetappe erholten.

Unsere Estafette „stotterte“ noch auf den Platz und wir legten uns früh aufs Ohr.  Morgen war Reparaturtag angesagt!

Michael, Werni, Silvana