01.04.2013
Um sechs Uhr „Tagwache“, raus aus den Federn (mehr Federn wären super gewesen, wir haben die ganze Nacht geschlottert), bei ca. -10 Grad, erwarten wir gespannt den Sonnenaufgang. Wow!! Die mondbeschienenen Bergspitzen verfärben sich orange. Die „Annapurna Bergkette“ zeigt sich im schönsten Licht. Annapurna-South (7219 m), Hiun Chuli (6434 m) und Annapurna l, der zehnthöchste Berg der Welt (8091 m), und Machhapuchhre (6997 m). In unseren Pakistan Decken eingehüllt, warten wir auf die ersten Sonnenstrahlen. Die Kaffee-Tassen wärmen unsere kalten Finger – der Aufstieg hat sich gelohnt.
Hier in Nepal braucht man ein Permit um zu trekken – etwa 40 Dollar pro Person (Kinder gratis). Mit dieser Bewilligung kann man sich für maximal 30 Tage im Annapurnagebiet aufhalten.
Am 27.März sind wir gestartet. Mit einem Rucksack und einer Tasche voller Ersatzkleider sind wir morgens um 7h mit dem „Local Bus“ nach Pokhara gefahren, eine fürchterliche Holperstrecke. Wachgeschüttelt, haben wir uns noch mit den fehlenden Trekkingutensilien ausgerüstet (60l Rucksack, Handschuhe, 2 Sonnenbrillen und 1 Nepalkappe für Michi). Danach kaufen wir ein (ein Brot, ein grosses Stück Käse, viele Schokoriegel, Wasser und nepalesisches „Studentenfutter“).
Nach dem Umpacken der Kleider und des Proviants, fahren wir mit dem Taxi ca.1 Stunde nach Nayapol, dem Ausgangspunkt unseres Trekkings. Was wird uns wohl erwarten!! Der erste Tag ist nicht spektakulär. Über eine breite, staubige Strasse erreichen wir abends Syauli Bayar (1220m.ü.M.), es hat nicht viele andere Trekker unterwegs, die meisten lassen sich per Jeep nach Ghandrung (2140m) bringen. In einer kleinen Lodge übernachten wir zum ersten Mal nach Pushkar (Indien) nicht in unserer heiss geliebten Estafette.
Nach dem Frühstück geht es auf die 2. Etappe, wir folgen dem Flusslauf (Modi Khola), dieser entspringt im Annapurnagebiet. Die Vegetation ist wunderschön, kleine, blühende Bananenplantagen, Bambussträucher, imposante Laubbäume, behangen mit blühenden Protophyten (die Baumgrenze liegt hier bei über 3000m) und terrassierte Anbauflächen der Bauern. Wir sehen Schmetterlinge in allen Farben, Gekkos, Eidechsen und verschiedener, unbekannter Vogelgesang begleitet uns. Am Abend erreichen wir Jhinudada (1780m). Wir quartieren uns wieder ein, Michael und Werni wollen noch in die „Hot Springs“ jumpen. Silvana möchte keinen Meter mehr laufen, nach fünf Stunden wandern hatte sie genug. Runter zum Fluss (15min), zwei Becken mit heissem Wasser beleben unsere müden Knochen. Michael springt rein und raus, wo nimmt der diese Energie her. Nach einer Stunde sind wir zurück, Silvana schlürft gemütlich ein Bier. Nach dem Nachtessen fallen wir todmüde auf unsere Pritschen.
Die 3. Etappe besteht praktisch nur aus Treppen steigen. Zuerst geht es 1,5 Stunden steil hoch nach Chhomrong (2170 m). Über uns kreisen mehrere Adler und Michael will sogar mit seinem Feldstecher einen Geier entdeckt haben. Danach steigen wir über Treppen ins Seitental ab und überqueren eine neue Hängebrücke. Das erste Mal zieht Regen auf. Doch nach ein paar Tropfen lichten sich die Wolken und wir erklimmen die Treppenstufen nach Sinuwa (2360 m). Endlich haben wir es geschafft. Wir beschliessen, hier die Nacht zu verbringen- Treppen haben wir für heute genug gesehen!!!
Zur 4. Etappe starten wir um 8 Uhr, es lohnt sich früh los zu marschieren, da mittags meistens Gewitter aufziehen. Wir wandern über Bamboo (der Name stammt von den herrlichen Bambuswäldern) durch Rhododendren Wälder, sie leuchten in verschiedenen tiefroten Farben- herrlich, auch die bunten grossen Schmetterlinge tanzen in der Luft. Wir erreichen Dobhan auf 2600 m.ü.M.Wir hören, dass in Himalaya, dem nächsten Ort, alle Lodges voll sind. Wir sind aber mächtig im Schuss und beschliessen nach dem Nachmittagsgewitter trotzdem nach Himalaya zu pilgern. Nochmals 320 Höhenmeter, wir erblicken müde und ausgelaugt unser Etappenziel. Alle Zimmer sind ausgebucht!! Wir bekommen nach einigem Warten zwei Betten in einem 6-er Schlag zugeteilt. Das wird ja eine lustige Nacht werden. Mit Dal Bath, dem nepalesischen Standartgerich (Reis, spicy Gemüse und Linseneintopf –Suppe, man kann nachschöpfen!!) im Magen, legen wir uns ins Bett. Auch mit den „Planckets“ (die Decken bekamen wir in allen Lodges, den Schlafsäcke hatten wir keine dabei – Werni ist ja kein Schleppesel) frieren wir die ganze Nacht, Michael schläft in der Mitte, ich muss die ganze Nacht aufpassen, dass ich nicht von der Pritsche falle, es ist „arschkalt“. Es wird auch heftig gesägt (geschnarcht) in unserem Zimmer, was für eine Nacht!!
Doch die ersten Sonnenstrahlen, eine Omlette und ein Porridge beleben unseren Körper. Mit einem Pot Lemontea steigt die Körpertemparatur wieder in den normalen Bereich. Mit dem Leitsatz „Dal Bhat gibt Power for 24 Hours“ machen wir uns auf die 5.Etappe, es geht rauf und runter, es gibt Natur- und Menschenhandtreppen, wir steigen auf 3700 m zum Macchapuchhre Base Camp (MBC). Erschöpft erreichen wir um 14.00h diesen letzten Ort vor dem heiss ersehnten Ziel – Annapurna Base Camp. Es zieht Nebel auf, es beginnt zu schneien. Werni, der Sklaventreiber, motiviert die ausgelaugte „ Rennschnecke“ Silvana und den „Bergtruck“ Michi, den Aufstieg noch heute zu bewältigen. Mit einem Cola stärken wir uns für den zweistündigen letzten Abschnitt. Im Schneegestöber stapfen wir über Schneefelder, dichte Nebelschwaden umgeben uns, kurz zeigt sich das Base Camp. Doch es ist noch ein langer Weg, 430 Höhenmeter, endlich erkennen wir die Begrüssungstafel, wir warten hier auf unsere Rennschnecke, hat sie der Nebel verschlungen, oder ist sie gar vom Yeti verschleppt worden? Eine verschwommene Gestalt taucht aus dem Nebel auf- das Yeti? Nein – es ist zum Glück Silvana. Die letzten Meter- geschafft!! Annapurna Base Camp 4130 m.ü.M. Freudig werden wir von den anderen „Touris“ empfangen – alle beglückwünschen Michi für seine Leistung. Michi ist noch gar nicht müde, spielt UNO, Tschau Sepp, und malt in seinem Heft, seine Lieblings-Beschäftigung. Auch unterhält er alle in lustigem „English“. Mit Dal Bath Power geht es ins Bett, wir verbringen eine eiskalte Nacht, Silvana hat sich sogar die Kappe über die Ohren gezogen. Stolz auf unsere Leistung schlafen wir ein, gespannt auf den vielgerühmten „Sunrise“ am Annapurna.
Der Abstieg ist schnell erzählt. In drei Etappen sind wir zum ersten Schlafplatz abgestiegen. Am zweiten Abend erreichen wir wieder Jhinudada und die Hot Springs. Michi will unbedingt noch hinunter, Silvana ist das Opfer. Ich trinke gemütlich ein Bier und muss den Beiden im Dunkeln mit der Taschenlampe entgegen laufen- hier gibt es auch Schneeleoparden!!! Jeden Nachmittag ziehen Wolken auf, Regen und Hagel zwingen uns zu Pausen, einmal kauern wir eine Stunde unter einem Felsen, geschützt von Hagel und Blitz.
Mit dem Jeep-Taxi fahren wir nach Pokhara zurück, der letzte Bus um 18 Uhr ist so überfüllt, das wir mit dem Taxi zum Camping zurückfahren. Auf dem Camping sind nun auch noch die Franzosen und die Schweden angekommen, Michael ist glücklich, endlich seine schwedischen Freunde Luca und Tanja zu sehen. Unsere Goa – Indien Truppe ist wieder komplett. Wieder in unserem vertrauten Bus zu schlafen ist herrlich!
Nachtrag: Praktisch alle Touristen haben nepalesische Porters, die ihnen das ganze Gepäck heraufschleppen. Auch sämtliche Baumaterialien, wie Wellbleche, Zement, Holz, sowie alle Lebensmittel für die „Lodges“ werden mit „Dal Bath Power“ den Berg raufgetragen. Wenn man dann noch sieht, was die Trekkers alles zum Frühstück „fressen“, während die Porters am Morgen mit einem Churung Bread (wie Pfannkuchen) und einer Tasse Tee auskommen, versteht man die Welt nicht mehr. Träger zu sein (bis 80 kg), bringt den armen Nepalesis zwar ein Einkommen, ist aber sicherlich nicht gesund. Die meisten Träger haben nicht mal gutes Schuhwerk, schleppen barfuss in Flip Flops die Lasten hoch. Wir sind stolz, alles selber geschleppt zu haben!
Osterhasen haben wir übrigens keine gesehen!!!