Karim Abad 21.06.2013
Nachdem wir in Gilgit, das auf ca. 1800m.ü.M. liegt, sieben Tage geblieben sind und die wunderbare Aussicht zum Rakaposhi oder den Diljardu Baui genossen, uns im Pool von Qayum erfrischt und uns am Garten erfreut, den besten Aprikosensaft der Stadt gekostet haben und fürchterlich auf der Suche nach einem „unsere Creditkarten akzeptierenden“ Automaten waren (leider vergebens!! hätten eben in Islamabad genügend abheben sollen-was wir nicht gewusst haben), sind wir weiter nach Karimabad, das auf 2500 m.ü.M liegt.
Es ist eine Oase umgeben von Bergen mit dicken Schneekuppen in der Ferne und riesigen Gletscherfeldern. Sie heissen Rakaposhi (hier sehen wir ihn von der anderen Seite, als in Gilgit), Ladyfinger, Ultar 1, Ultar 2, Diran, Golden Peak,….Hier wird alles mit einem ausgeklügelten Bewässerungssystem getränkt: Bäume, Gemüse und Wiesen. Das Wasser wird vom Gletscher gefasst und in verschiedenen, unzähligen Wasserkanälen verteilt. Es hat eine silbergraue- braune Farbe und die Lokalen und ein paar wenige Touristen trinken dieses mit Mineralien angereicherte Wasser mit vollem Genuss. Ohne diese „Wasserverteilung“, wäre hier alles ziemlich öde und trocken. Von Weitem hört man den Gilgit durch das weite Tal tosen. Da oben sind wir verschont von Hitze, lästigen Fliegen und Mücken.
Hier gibt es Hunzabrot zu essen und wunderbare Fleischspiesschen. Auch sonst bekommt man alles, was man so braucht…Butter, Milch, Toast, frisches Gemüse, Obst ….auch kann man Bier kaufen, was allerdings sehr teuer ist. Das billigere Chinabier ist im Moment nicht vorhanden. Was angeboten wird, aber eher unter der Theke oder privat, ist das Hunzawasser (Wein..od. Schnaps aus Trauben oder Mullberry).
Auch ganz typisch für das Städtchen sind die verschieden Dörrfrüchte, vor allem Aprikosen und weisse und schwarze Mulberry, Aprikosenöl und Hunzahonig. Auch findet man im Ort schöne Steine (Garnit ist ein lokaler, roter Stein), Schmuck, allerlei Textilien. Schon zu alten Zeiten wurde hier gefeilscht, denn die Seidenstrasse geht hier vorbei und so ist es nicht verwunderlich, dass die Leute hier etwas vom Geschäften verstehen. Nur leider kommen nicht gar so viele Touristen vorbei, weil die Leute halt zu grosse Angst haben von diesem beeindruckenden Land.
Wir werden von diesen Menschen hier, die einen sehr lockeren Islam praktizieren (Frauen dürfen ohne Schleier rumlaufen), sehr warm empfangen und bald merken wir, dass sie sehr grosszügig, freundlich sind und „peacefool“ zusammen leben. Sie bieten allen Kindern hier seit zwanzig Jahren eine gute Schulbildung, was sich langsam auch auf das, auf der anderen Seite des Flusses liegende, sehr konservativ- muslimisches, kleines Königreich von Nagar, auswirkt. Vor nicht allzu langer Zeit war es richtig gefährlich über die Brücke zu wollen…verrückt, denn die von Nagar sind Schiiten und die von Karimabad Ismaeliten. In Karimabad sind mittlerweile 95% gebildet.
Die Frauen flechten oft zwei Zöpfe aus ihren Haaren und sie sehen dann schon ein bisschen wie Indianerinnen aus.
Von einem Nebental in Gilgit, das nach Chitral führt, habe ich Musik gehört, die sich ein bisschen wie das Getrommel von Indianermusik anhört – das war zu einem Anlass eines Festes des Kalashvolkes, die sehr besonders sind und die Frauen tragen wunderschön farbige Kleidung und das Volk liebt es Musik zu machen. Leider konnten wir das Volk nicht kennenlernen. Auch das bevorstehenden Polospiel, das hier schon sehr lange gespielt wird, können wir aus Zeitgründen nicht ansehen. Schade!
Im Moment bereitet sich hier in Karimabad eine Musikgruppe im Freien auf die Feier des Todestages (11.Juli) von Aga Khan (aber das ist eine andere Geschichte) vor und zu unserem Erstaunen hören wir Trommelmusik und Dudelsack!!
Das sind eben noch die Auswirkungen des Kolonialreiches England. Überhalb der Baltitburg von Karimabad ist auch ein Viktoriadenkmal zu sehen – natürlich auch aus dieser Zeit.
Hier in Karimabad begegnen wir wieder Elstern, Baumnuss- und Kirschbäume, auch der Löwenzahn, der Klee, der Spitzwegerich und die Wegwarte tauchen auf.
Im Moment kann man überall reife Kirschen kaufen oder direkt vom Baum pflücken, wie hier im Hunzapalace, wo wir auf dem Parkplatz einquartiert sind und im Garten die Aussicht zu den Bergen geniessen, was essen, „onlinlen“ oder eben Kirschen pflücken. Auch hatten wir ein kleine, abendliche Audienz bei der Prinzessin von Hunza, draussen im Garten bei einem Chai und Hunzabrot. Sie hatte viel Interessantes von ihrem kleinen Königreich zu berichten und wir konnten auch unsere Neugierde über diesen Flecken Erde stillen. Was mich sehr beindrucke ist, dass hier keine Armut herrscht.
Sogar Prinz Charles soll hier zu Besuch gewesen sein und wir dürfen hier einfach auf dem Parkplatz unsere „Zelte“ aufschlagen und ganz in der Nähe der königlichen Familie leben und ein Schwätzchen abhalten mit dem Mir of Hunza oder der Prinzessin of Hunza.
Bald im Juli werden die Aprikosen reif sein, die jetzt an den kräftigen, alten Aprikosenbäumen hängen. Leider sind wir dann über alle sieben Berge.
Karimabad ist auch ideal zum trecken. Gestern war Werni allein zum Ladyfinger gewandert und heute bin ich mit Pia und deren achtjährigen Sohn, Luca, los. Bis zum Basecamp wandert wir gut sechs Stunden hin und zurück und das Camp liegt so auf 3500m.ü.M. Zu überwinden gibt es den Wasserkanal, der von einem Abgrund flankiert ist …. bin möglichst am Felsen nach gelaufen!! Dann muss man ca. eine Stunde eine Schotterhalde hinaufsteigen, wo man besser nicht in die Höhe schaute, denn da sah man Felsbrocken auf dem Felsen in sehr prekärer Schieflage sitzten und die Schotterhalde bestand aus heruntergefallen zum Teil ziemlich grossen Felsbrocken…ja aber wenn die Schutzengel gut aufgepasst hatten, eröffnete sich ein so schöner Anblick der Berge, dass man sich im Gras niederlässt die Aussicht geniesst, den sehr nahen Gletscher riecht und etwas weniges isst und das feinste Wasser trinkt, frisch ab der Quelle.
Pia, Milan, Luca und Tanja haben wir in Agonda (Indien) kennengelernt und in Pokhara (Nepal) wieder getroffen. Dort haben wir beschlossen gemeinsam den KKH Karakorum Hightway zu bewältigen, was wir im Moment auch fleissig dran sind! Michael ist sehr glücklich, da er super mit den schwedischen Kindern spielen kann. Verständigungsprobleme gibt es fast keine, denn sie unterhalten sich englisch, was Michael gezwungenermassen in Indien lernen musste, wollte er sich mit den „Schweden“ unterhalten. Nun sind wir also gemeinsam ein Stück unterwegs und bezwingen den Karakorum….und als nächstes den See, der durch einen riesigen Felssturtz gebildet wurde und r nur mit einer Fähre zu überwinden ist. Wobei zwei Boote zusammen befestigt werden, um dann das Fahrzeug über eine selbstgebaute Rampe raufzufahren und festzubinden und dann eben überzusetzten….ja ziemlich abenteuerlich und etwas nervös sind wir schon alle. Vielleicht nicht alle gleich stark!-))
Im Moment geniessen wir hier das Leben in diesem besonderen Ecken von der Welt – dem Nordpakistan – wo die Gebirge des Hindukusch, des Himalajas und des Tianshans zusammenkommen.
Bis bald
Silvana&Werni&Michael